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Ein Mordfall in Achtsamkeit

von Luisa Vlcek

Schon die ersten Töne – düster und unheilvoll – setzten den Ton für die Inszenierung von «Achtsam Morden» nach dem Bestseller von Karsten Dusse durch das EURO-Studio Landgraf. Dieses gastierte am 14. Januar 2026 amTheater in Thun im Schadausaal des KKThun.

«Achtsam Morden» erzählt die Geschichte über Björn Diemel, einem überforderten Anwalt, der sein chaotischen Leben mit seinem Achtsamkeitscoach in Griff bekommen will und dabei versehentlich zum Mörder wird.

Das Stück spielt geschickt mit der Idee, dass in einer chaotischen Welt des Verbrechens mit Achtsamkeit unterschiedlich umgegangen werden kann und dass sich Ordnung und Chaos näherstehen als man denkt. Die Inszenierung begann mit unheilvoller Musik, die sofort eine düstere Atmosphäre erzeugte und die Aufmerksamkeit des Publikums fesselte. Auch im weiteren Verlauf begleiteten präzise gesetzte Hintergrundgeräusche und musikalische Akzente das Geschehen. Selten habe ich ein derart perfektes Timing erlebt wie die Licht- und Tonregie, die Pascal Breuer an diesem Abend bot – jedes Geräusch kam auf die Sekunde genau.

Die drei Schauspieler Martin Lindow, Ronja Jenko, Stephan Bürgi in neunzehn verschiedenen Rollen waren höchst achtsam damit beschäftigt, der rasanten Situation auf den Fersen zu bleiben. Alle waren mit vollem Einsatz bei der Sache und nichts war den Zufall überlassen. Die Improvisation der Schauspielertruppe war einmalig. Beim schnellen Rollenwechsel blieb Stefan Bürgi kaum Zeit für das nächste Kostüm. Doch anstatt in Hektik zu fallen, reagierte er mit einer spontanen, humorvollen Improvisation, die das Publikum zum Lachen brachte. Abgesehen von diesem kleinen Ausrutscher waren die Rollenwechsel der Schauspielenden schlichtweg beeindruckend. Stundenlange Perfektion war in diesen Wechseln zu sehen und erzählten von einer Meisterleistung in der Akzentsetzung dieser vielen verspielten Rollen.

Diese Theaterkritik entstand im Rahmen eines Vermittlungsprojekts von «Theater in Thun», das jungen Schreibenden die Gelegenheit gibt unsere Theatergastspiele zu rezensieren.

23.1.2026